Psychotherapie, psychosoziale Beratung und Coaching verfolgen auf unterschiedliche Weise ein ähnliches Ziel: das Leiden von Menschen zu mindern.
Psychotherapie und psychosoziale Beratung richten den Blick dabei häufig auf die Vergangenheit, um innere Belastungen zu verstehen und zu lösen. Coaching hingegen konzentriert sich meist auf die Zukunft und darauf, Ziele zu definieren und umzusetzen –ohne die Vergangenheit einzubeziehen.
Alle diese Ansätze haben ihre Berechtigung. Doch aus meiner Erfahrung heraus ist es hilfreich, zuerst aufzuräumen, bevor Neues entstehen kann.
Warum alte Muster den Weg nach vorne blockieren
Ich vergleiche diesen Prozess gerne mit einem Garten:
Bevor neue Samen wachsen können, muss zunächst das Unkraut gejätet werden.
Als psychosoziale Beraterin darf ich nicht direkt an den Diagnosen von Klienten arbeiten, da ich laut Gesetz nicht heilen darf. Sehr wohl darf ich jedoch Menschen dabei helfen, belastende Erfahrungen aus der Vergangenheit zu ordnen und zu lösen.
Besonders prägend sind dabei unsere frühen Lebensjahre.
Die Kraft früher Prägungen
Angeborene und erlernte Verhaltensmuster entfalten ihre stärkste Wirkung in jener Zeit, in der sich unser Gehirn noch entwickelt – also etwa bis zum siebten Lebensjahr.
Diese frühen Prägungen waren damals oft überlebenswichtig. Sie halfen uns, uns anzupassen, sicher zu bleiben und Zugehörigkeit zu erfahren. Doch mit zunehmendem Alter verlieren sie ihre Schutzfunktion, sondern behindern und blockieren uns.
Was einst hilfreich war, kann später wie ein inneres und äußeres Korsett wirken:
- es schränkt uns ein
- macht uns unflexibel
- beeinflusst unser Denken und Handeln
Viele Menschen wissen sehr genau, was in ihrem Leben nicht stimmig ist – und fühlen sich dennoch machtlos, ihre Muster zu verändern.
Verstehen reicht nicht – es braucht Erleben
In meiner psychosozialen Beratung gehe ich bewusst einen anderen Weg.
Die Vergangenheit wird nicht analysiert oder „zerredet“, um rein verstandesmäßiges Verständnis zu erzeugen. Stattdessen bekommen Empfindungen und Emotionen Raum.
Denn entscheidend ist nicht, was passiert ist, sondern wie es sich angefühlt hat.
Zum Beispiel:
- Wie war es, im Mutterleib zu sein, während die Mutter emotional stark belastet war?
- Wie fühlte es sich an, als Neugeborenes alleine im Dunkeln aufzuwachen?
- Wie war es, für kindliche Neugier bestraft zu werden?
- Wie fühlte sich die Angst an, etwas falsch zu machen, ohne zu wissen, was genau?
- Wie war es, unerwünschte körperliche Nähe ertragen zu müssen und dabei „brav“ zu lächeln?
- Wie fühlte es sich an, Ärger oder Verletztheit nicht zeigen zu dürfen?
Der Körper vergisst nicht
In der Kindheit lernen wir oft, Empfindungen zu verdrängen. Doch jede Erfahrung – ob angenehm oder schmerzhaft – hinterlässt Spuren in Körper und Geist.
Verdrängte Empfindungen verschwinden nicht.
Sie wirken im Untergrund weiter und beeinflussen unser Verhalten, unsere Beziehungen und unsere Lebensentscheidungen.
Für diesen Prozess braucht es keine bewussten Erinnerungen. Der Körper erinnert sich sehr genau.
Auflösung durch bewusstes Spüren
In der Basisposition des vegetativen Trainings® wird ein sicherer Raum geschaffen, in dem diese gespeicherten Empfindungen bewusst wahrgenommen und erlebt werden können. Dieses Spüren allein reicht aus, damit sich alte gespeicherte Empfindungen lösen können. Ohne Druck. Ohne Analyse. Im eigenen Tempo.
Wenn der Wesenskern wieder sichtbar wird
Dieser Prozess lässt sich gut mit einem Bild beschreiben:
Stück für Stück löst sich die graue, verhärtete Schale, die sich im Laufe des Lebens gebildet hat. Darunter kommt ein bunter, lebendiger Kern zum Vorschein.
Dieser Kern entspricht dem, was wir im Innersten sind – jenseits von Anpassung, Normen und alten Schutzmechanismen.
Die grauen Schichten hingegen stehen für die Erfahrungen, die uns eingeengt haben.
Wenn diese Schichten sich lösen dürfen, entsteht wieder Raum:
- für Lebendigkeit
- für Selbstbestimmung
- für eine Zukunft, die nicht von der Vergangenheit gesteuert wird


