„Mir scheint es, als ob die Gier, im Übrigen eine ausschließlich menschliche Emotion, in der westlichen Welt immer mehr um sich greift und ich frage mich, woher das kommt.“
Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen. Also habe ich mich auf die Suche gemacht, warum uns Gier so oft steuert und was dahinter steckt.
🔎 Was bedeutet Gier überhaupt?
Der Duden beschreibt Gier als ein „heftiges, maßloses Verlangen nach Genuss, Befriedigung, Besitz und Erfüllung von Wünschen“.
Im Alltag denken wir bei Gier meist an Geld, Essen oder Luxus. Ein schönes Bild dafür ist das Märchen vom Rumpelstilzchen, das sinnbildlich zeigt, wie unstillbar menschliche Gier sein kann.
💔 Gier zeigt sich auch dort, wo wir sie nicht vermuten
Gier ist aber nicht nur das Verlangen nach Materiellem. Sie steckt auch in vielen Süchten, die wir oft gar nicht als solche erkennen:
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Das Bedürfnis, uns sicher und geborgen zu fühlen.
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Der Kick des Verliebtseins.
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Der Drang, uns ständig beschäftigt oder aufgeputscht zu fühlen.
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Oder die Sehnsucht nach tiefer Entspannung.
All das kann sich in einer Form von Gier zeigen – einem unbewussten „Mehr davon!“, das uns antreibt.
👶 Gier aus psychoanalytischer Sicht: Alles beginnt sehr früh
Spannend ist auch die Sicht der Psychoanalyse:
Schon als Säuglinge sind wir völlig abhängig von unserer Mutter. Wenn beim Stillen etwas fehlt – zu wenig Milch, zu wenig Zeit oder Zuwendung – erleben wir das als existenziellen Mangel. Für ein Baby fühlt sich das lebensbedrohlich an.
Gier ist dann eine Art Schutzmechanismus gegen die Angst, zu verhungern und letztlich zu sterben.
Vielleicht fragen wir uns deshalb heute, ob unsere westliche Gier damit zusammenhängt, dass viele Babys nicht (mehr) still oder ohne Ruhe und Nähe ernährt werden. Wahrscheinlich gibt es aber viele verschiedene Ursachen: unsere Herkunft, der eigene psychische Zustand oder der Druck der Gesellschaft.
🛒 Konsumgesellschaft: Gier wird bewusst geweckt
Unsere westliche Welt ist stark vom Konsum geprägt. Werbung weckt gezielt das Gefühl von Mangel, damit wir kaufen, konsumieren, besitzen.
Wir lernen früh: Es ist nie genug. Es gibt immer ein besseres Produkt, das uns angeblich glücklicher macht.
Gleichzeitig sind viele emotional unterversorgt. Statt auf liebevolle Bindung und Zuwendung legen wir Wert auf Geschenke, Spielzeug, Dinge. Eltern sind oft selbst im Stress und merken kaum, was Kinder wirklich brauchen. So entstehen Erwachsene, die emotional hungrig bleiben – und diesen Hunger versuchen sie dann durch Konsum, Partnersuchen oder immer neue Kicks zu stillen.
⚖️ „Die Dosis macht das Gift“
Gier ist nicht immer schlecht. Sie kann uns auch antreiben, mehr zu wollen, uns weiterzuentwickeln, unsere Ziele zu erreichen.
Schon Paracelsus sagte: „Die Dosis macht das Gift.“
Entscheidend ist, dass wir uns unserer eigenen Gier bewusst werden:
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Wo in meinem Leben will ich immer mehr?
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Was fehlt mir wirklich?
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Und was ist vielleicht nur ein Ersatz für etwas anderes?
Mit klaren Zielen können wir das Verlangen steuern und die positive Kraft der Gier nutzen, ohne uns darin zu verlieren.
💸 Gier – der Motor unserer Wirtschaft
Ohne Gier gäbe es wohl viele Unternehmen nicht. Sie ist einer der Hauptantriebe unserer kapitalistischen Wirtschaft.
Und doch wächst die Sehnsucht nach einem anderen Leben: weniger besitzen, bewusster leben, Achtsamkeit und innere Zufriedenheit statt ständigem Haben-Wollen.
Am Ende hat jeder von uns die Wahl:
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Will ich weiter gierig durchs Lebens hetzen?
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Oder möchte ich mich auf das konzentrieren, was mir inneren Frieden und echtes Glück bringt?
🌱 Mein Fazit für dich
Ich glaube, es lohnt sich, die eigene Gier liebevoll zu hinterfragen und zu schauen, was wirklich dahintersteckt. So können wir wieder mehr im Gleichgewicht leben – mit uns selbst und unserer Umwelt.


